Es gibt Tage, da geht es uns schlecht – seelisch und körperlich. Doch wenn wir uns ein wenig bewegen, hilft das meist und hat positive Auswirkungen. Karo Wagner zeigt drei Yoga-Sequenzen, die dabei helfen, aus dem Tief rauszukommen.
Wenn uns Erschöpfung oder Traurigkeit in den Knochen und auf der Seele hängen, dominieren Schwere und Starre den Körper. Man kommt erst gar nicht auf die Idee, sich mehr zu bewegen, als man muss. Jede Bewegung fällt schwer, man möchte am liebsten auf der Couch liegen und sich vergraben. Ich hatte ein Aha-Erlebnis, als ich mich bewegen musste. Ich fand keine Vertretung für einen meiner festen Yogakurse und musste, trotz heftiger depressiver Verstimmung, an diesem Abend unterrichten. Also begab ich mich vorne auf die Yogalehrermatte und ließ die wenigen Bewegungen, zu denen ich fähig war, aus mir herausfließen. Es wurde eine sehr sanfte Stunde mit dem Fokus auf „Pulsieren, Raum und Weite schaffen“ und Atmen. Nach der Stunde ging es mir um Längen besser – als hätte ich die Schwere und Starrheit aus meinem System hinaus-„yogiert“.
Einfach nur loslassen
Und hier wurde mir klar: Körper und Geist bilden wirklich eine untrennbare tiefe Einheit. Und sobald es gelingt, den Körper sanft zu aktivieren, bekommen auch der Geist und das Befinden automatisch einen Energieschub.
Für sehr dunkle Tage eignen sich aus meiner Erfahrung die Übungen aus dem Yin Yoga und dem restorativen Yoga am besten. Hier muss der Körper „nichts tun“, er darf einfach nur loslassen und entspannen.
Und in dieser Entspannung passiert auf sehr sanfte Weise unglaublich viel: Das Faszien- bzw. Bindegewebe, das den ganzen Körper von innen auskleidet und alles miteinander verbindet, wird geweitet und gestreckt, Blockaden werden gelöst und ein Gefühl von Weite und Leichtigkeit entsteht.
Aus der Forschung weiß man, dass unser Fasziengewebe sehr sensitiv und anfällig ist für Stress und Kummer. Die faszialen Strukturen verkleben und machen dicht, sie speichern geradezu die destruktiven Energien in ihren Zellen. Wenn wir uns schlecht fühlen, überträgt sich dies direkt auf den Körper. Deshalb fühlt sich eine Depression auch körperlich unglaublich erdrückend an, ähnlich einer schweren Grippe. Die Knochen sind schwer, das ganze System ist kraft- und energielos – und das, obwohl die Ursache eine psychische ist.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Der erste Schritt in Richtung augenblickliches Sich-besser-Fühlen ist sanfte Bewegung. Und hier sind Yin Yoga und restoratives Yoga ein absolutes Geschenk für dunkle Tage. Die lang gehaltenen Dehnungen regen zusätzlich die Ausschüttung von Serotonin und Melatonin an, was das Gemüt aufhellt und innere Ruhe einkehren lässt.
Meine Yoga Flows habe ich nach diesen Kriterien und Wirkungsweisen zusammengestellt.
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