Raus aus dem Rückenschmerz

Die Chance, Rückenschmerzen nachhaltig zu behandeln, haben wir nur, wenn wir uns die Ursachen des Schmerzes, unseren Lebensstil und unser Stress­verhalten genau anschauen und zu verstehen lernen. Schon allein deshalb lohnt es sich, dem Schmerz auf den Grund zu gehen.

Als gut informierte medizinische Laien wissen wir: Bei Rückenschmerzen sind regelmäßige Bewegung und eine gesunder Lebensführung das A und O. Wir kennen das geflügelte Wort, dass Sitzen das neue Rauchen ist, dass viel Sitzen also nicht nur gesundheitsschädlich, sondern lebensverkürzend sein kann. Uns ist bekannt, dass starke Bauchmuskeln notwendig sind, um nicht ins Hohlkreuz zu fallen und die Lendenwirbelsäule zu schonen. Auch die entlastende Wirkung geschmeidiger Faszien für Bandscheiben und Gelenke ist kein reines Insiderwissen mehr. Rückengerechtes Verhalten im Alltag, wie beispielsweise in die Knie zu gehen statt sich zu bücken, um schwere Gegenstände hochzuheben – solche Ratschläge kennt man aus einschlägiger Literatur und vielleicht sogar aus eigener Physiotherapie-Erfahrung.

Jede/r Drittel leidet unter Rückenschmerzen

Dennoch leidet mehr als jede/r zweite Deutsche unter der Volkskrankheit Rückenschmerzen. Bei 15,5 Prozent aller Betroffenen handelt es sich laut einer Umfrage aus dem Jahr 2019/2020 um chronische Rückenschmerzen (> 6 Monate), die bei sämtlichen Berufsgruppen auftauchen und der Lebensfreude einen ganz schönen Strich durch die Rechnung machen können. Denn gerne erwischt uns der Schmerz im denkbar ungünstigsten Moment: in unserer Freizeit oder im Urlaub, wenn wir uns endlich einmal entspannen wollen.

Rückenfreundlicher Lebenswandel

Warum führen all die Informationen nicht zu einem rückenfreundlicheren Lebenswandel, in dem sich Spannung und Anspannung vorschriftsmäßig die Waage halten? Wieso finden wir uns als aufgeklärte Rückenschmerz-PatientInnen trotz aller Kenntnisse in einem regelmäßig wiederkehrenden Kreislauf aus Arzt- und Physiotherapie-Besuchen wieder? Liegt es ausschließlich am inneren Schweinehund, dass man es in der Regel nur über einen sehr überschaubaren Zeitraum hinweg schafft, die Übungen zu Hause dauerhaft in den Alltag zu integrieren? Zum einen ist der Schmerz nach erfolgreicher Physiotherapie-Behandlung bestenfalls natürlich erst einmal weg und mit ihm gefühlt auch die Notwendigkeit, die Gymnastik fortzusetzen. Vor allem aber haben wir uns im Rahmen der Behandlung oft nicht damit auseinandergesetzt, warum der Schmerz überhaupt aufgetaucht ist – und warum jetzt. Die Chance, den Schmerz nachhaltig zu behandeln, haben wir allerdings nur, wenn wir ihn verstehen: wenn wir uns die Ursachen des Schmerzes, unseren Lebensstil und unser Stressverhalten genau anschauen.

Nachhaltige Schmerzbehandlung

Eine orthopädische Behandlung fokussiert den aktuellen Schmerz. Für eine Schmerztherapie mit Langzeiterfolg raten Experten aber zu einer ganzheitlichen Ursachenforschung und Schmerzbehandlung. Dabei wird das Gesamtpaket aus Lebensführung, individuellem Stressverhalten und körperlichen Einschränkungen unter die Lupe genommen. Denn eine rein funktionelle, anatomische Betrachtung der Rückenschmerzen lässt fast immer unsere Lebenssituation und unser Körpergedächtnis außen vor. Die Entstehung des Schmerzes und außergewöhnliche mentale oder körperliche Belastungen, denen wir möglicherweise ausgesetzt sind, bleiben dabei in der Regel unberücksichtigt.

Es geht um Ursachenforschung

Bei der multimodalen Rückenschmerz-Therapie nach Heinrich, Hamel und Marnitz, die ihre Therapie in ihrem Buch „Ihr Weg aus den Rückenschmerzen“ konkret beschreiben, arbeiten die Fachbereiche Orthopädie, Psycho- und Sporttherapie im Sinne einer ganzheitlichen Ursachenforschung und Schmerzbehandlung zusammen. Dieser umfassende Blick auf das Problem ermöglicht es, einen individuellen Lösungsansatz zu finden. Für den Erfolg der Behandlung ist es außerdem wichtig, zwischen der Ursache der Schmerzen und ihrer „Aufrechterhaltung“ zu unterscheiden. Wenn wir der Ursache der Rückenschmerzen und unserer – bisher unzureichenden – Reaktion darauf auf den Grund gehen, liefert das wertvolle Ansatzpunkte für eine wirksame Behandlung…
Tatjana Sepin-Strünkelnberg

Zum Weiterlesen: Marion Heinrich/Michael Hamel/Ulf Marnitz. Ihr Weg aus den Rückenschmerzen, Trias Verlag

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer bewusster leben Ausgabe 6/2022

Diesen Artikel teilen

Weitere Beiträge

Halt und neue Zuversicht durch Aromatherapie

Wer sich körperlich und emotional wappnen oder einfach mal eine Auszeit vom Alltag gönnen will, findet gerade jetzt in ätherischen Ölen wirksame Unterstützung gegen trübe Stimmung und Winterblues.

Diesen Artikel teilen

Wie Osteopathie helfen kann

Das manutherapeuticum ZAPFF ist eine Praxis für Osteopathie in München, die sich auf die Gebiete der Kinderosteopathie, Physiotherapie und manueller Schmerztherapie konzentriert. Das Team, das aus sechs Experten besteht, glänzt durch seine Leidenschaft für die Osteopathie, sowie fundierter Kenntnisse und einer langjährigen Erfahrung. Geschäftsführer Andreas Zapff erklärt in diesem Interview, wieso die Osteopathie so wichtig ist und warum diese nicht unterschätzt werden sollte. Osteopathie ist in aller Munde. Immer mehr Menschen scheinen bereit zu sein, den Besuch beim Osteopathen zu wagen, um langgehegte Beschwerden abklären zu lassen, die von Schulmedizinern nicht behandelt werden konnten. Kann das zu spät sein? In der Regel nicht. Allerdings kann die Behandlung langwieriger werden, da sich im Körper bereits viele funktionelle Beschwerden aufbauen und einnisten konnten, wie z.B. Schonhaltungen, Folgeketten oder Überlastungen von Systemen, die bisher das Grundproblem kompensierten. Je länger Gewebe „Stress“ ausgesetzt ist, desto langwieriger kann die Behandlung werden, um den Körper wieder in die Entlastung zu bekommen. Was sind die häufigsten Beschwerden Ihrer Patienten? Pauschal lässt sich das nicht so einfach beantworten. Wir beobachten jedoch viele Beschwerden in Zusammenhang mit Stress – sowohl seelisch als auch körperlich. Müssten wir uns aber auf ein paar Schlagwörter festlegen, dann sind das sicherlich Rückenschmerzen, Kopf-

Diesen Artikel teilen

Schreiben Sie einen Kommentar