MutMachMenschen

Warum es sich lohnt, zu strampeln – Geschichten von Menschen, die sich aus den Abgründen des Lebens wieder aufgerichtet haben. Ihre Zuversicht und ihr Glauben an das Leben machen uns Mut.

Kennen Sie die Fabel von Aesop mit den zwei Fröschen, die in eine Schüssel mit Milch springen, sich satt trinken und dann aber merken, dass sie nicht mehr herauskommen? Nach vier Stunden mühevollen Schwimmens gibt der eine Frosch auf und ertrinkt. Der andere Frosch aber kämpft weiter und schwimmt und strampelt so lange, bis die Milch zu fester Butter geworden ist und er sich in die Freiheit retten kann. Sein Vertrauen in die eigenen Stärken hat ihn überleben lassen. Wir besuchen Frauen und Männer, die mit schweren Schicksalsschlägen konfrontiert wurden und trotz aller Widrigkeiten nicht aufgegeben, sondern gestrampelt haben – wie der zweite Frosch in Aesops Fabel.

Jedes der beiden Kinder braucht allein für eine Mahlzeit eine Stunde

Eine Abtreibung wäre für Maria Erlacher und ihren Mann Markus Forster keinesfalls in Frage gekommen, wenn sie es gewusst hätten. Und doch stellte die Geburt ihrer Kinder Marlene und Tobias ihr Leben komplett auf den Kopf. Denn nur wenige Tage nach der Frühgeburt ihrer Zwillinge war klar: Alle beide haben Zysten im Gehirn, sind schwerst behindert, Diagnose Cerebralparese. Leni und Tobi werden wahrscheinlich nie gehen oder sitzen können, nicht sprechen, nicht alleine essen oder trinken. Erlacher war lange verzweifelt, doch ein Satz ihres Mannes ließ sie nachdenken: „Wenn der Wind uns jetzt dermaßen ins Gesicht fährt, dann müssen wir die Segel so drehen, dass wir mit dem Wind fahren.“ Sie erkannte, dass man sich dem Schicksal nicht einfach fügen muss, und erklärt: „Wenn ich die Segel mit dem Wind setze, dann fahre ich woanders hin und entdecke vielleicht Länder, die ich sonst überhaupt nie gesehen hätte. Ich sage jetzt nicht, dass das immer so funktioniert, aber wir fahren schon eine lange Zeit gut damit.“
Erlacher und Forster, beide erfolgreiche Konzertsänger, betreuen die Zwillinge zuhause. Alles dauert lange, jedes der beiden Kinder braucht allein für eine einzige Mahlzeit rund eine Stunde. Sie haben sich externe Hilfe für die Pflege geholt, denn da ist ja auch noch Emma, die große Schwester der beiden, die nicht zu kurz kommen soll. Den Eltern ist wichtig, als Familie ein so normales Leben wie möglich zu führen – inklusive Campen, Radfahren, Skifahren, auch wenn es deutlich mehr Aufwand bedeutet als in anderen Familien. Sie wollen kein Mitleid für ihre Zwillinge, sondern echtes Interesse, und für die beiden trotz der Behinderung die Möglichkeit, sich frei und ohne Grenzen entfalten zu dürfen. Erlacher, die neben ihrer Karriere als international gefeierte Sängerin auch als Professorin für Sologesang arbeitet, sieht Parallelen zu ihrer Tätigkeit am Musikkonservatorium Innsbruck: „Wenn man als Lehrer einen Schüler betrachtet und sich denkt, der wird das nie schaffen, dann wird er es viel schwieriger haben, als wenn man ihm positive Energie schickt und ihm Dinge zutraut.“

Zum Weiterlesen:

Brigitte Gogl & Marianne Hengl, Stehaufmenschen: Geschichten, die Mut machen, Tyrolia, 19,95 Euro

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 2/2021

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