Ein kleiner Kurs in Dankbarkeit

Dankbarkeit ist die Antwort des Herzens auf die Geschenke des Lebens. Ihr liegt die Einsicht zugrunde, dass nichts selbstverständlich ist. Wer sich dessen bewusst ist, für den ist Dankbarkeit ein Schlüssel zum glücklichen Leben.

Doch seien wir ehrlich: Meist sind wir weit davon entfernt, dankbar die Geschenke des Lebens zu erfahren. Meist sind wir alles andere als offen für die guten Dinge, die uns das Leben präsentiert. Wie oft laufen wir mit Scheuklappen durch die Lande und sind geradezu blind für die Schönheit der Welt. Wir nehmen die Fürsorge und Zuneigung anderer Menschen als selbstverständlich hin und glauben, dass wir selbst auf die wichtigsten Ressourcen des Lebens ein Anrecht hätten: auf sauberes Trinkwasser, sobald wir den Wasserhahn aufdrehen; auf eine warme Wohnung, wenn wir die Heizung einschalten; auf gefüllte Regale, wenn wir einen Supermarkt betreten. Allzu schnell vergessen wir, wie privilegiert wir hierzulande sind, und dass Milliarden von Menschen weltweit keinen Zugriff auf solche Geschenke haben. Anders als frühere Generationen, die noch Zeiten der Entbehrung kannten und denen nie in den Sinn gekommen wäre, Lebensmittel wegzuwerfen und Naturressourcen zu verschwenden, mussten wir Kinder der Wohlstandsgesellschaft nie die Erfahrung von wirklichem Verzicht machen. Wie aber können wir lernen, für etwas dankbar zu sein, das wir nie entbehren mussten? Und wie können wir das wertschätzen, was uns oft als selbstverständlich erscheint?

Dankbarkeit kann man lernen

Dankbarkeit lernen wir nicht aus Büchern. Dankbarkeit lehrt uns das Leben und die Menschen, denen wir auf unserem Lebensweg begegnen. Die dankbarsten Menschen finden sich unter denen, die am meisten entbehren mussten und deren Leben am schwersten bedroht war. „Es sind die einfachen Dinge, die das Leben ausmachen. Das ist es, was ich aus dieser Zeit gelernt habe“, sagt die Shoah-Überlebende Greta Klingsberg. Die Lebensfreude und Leichtigkeit, die sie in ihrem hohem Alter ausstrahlt, lassen nichts von ihrer schweren Kindheit erahnen. Stattdessen erblickt sie in den vielen kleinen Dingen des Alltags, die unsereinem kaum auffallen, eine Gelegenheit zur Dankbarkeit.

Den ganzen Artikel unserer Ausgabe bewusster leben 6/2019

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