Als Brigit Strawbridge Howard eines Tages feststellt, dass sie kaum etwas über die heimischen Vögel, Bäume und Wildblumen weiß, ist sie schockiert. Ihr wird klar: Irgendwann musste ihr etwas auf ihrem bisherigen Weg verloren gegangen sein. Dann macht sie sich auf zu einer Reise zurück zur Natur.
Wann haben wir eigentlich aufgehört, die Blumen entlang der Hecke zu betrachten, die Hummel auf dem Löwenzahn zwischen den Pflastersteinen oder das variantenreiche Grün frischer Blätter? Selbst wenn wir uns mitten im Grünen bewegen, stecken wir uns inzwischen Kopfhörer ins Ohr, verlieren uns in einer Welt aus Gedanken, Ideen und Plänen, tapsen so durch Wald und Wiesen, und wenn wir doch einmal hinschauen, scannen wir die Umgebung auf ihre Instagramability.
Brigits Reise zurück zur Natur
Auch Brigit Strawbridge Howard ist es so ergangen. Als sie eines Tages feststellte, mehr über die Französische Revolution als über die heimische Flora und Fauna zu wissen, war sie schockiert – und beschloss, ihre ganz persönliche Verbindung zur Natur wiederzubeleben: „Ich gelobte, dieses zerbrechliche Ding – dieses Wiedererwachen, diesen wertvollen Schatz – zu füttern, aufzupäppeln und ihm zu vollem Bewusstsein zu verhelfen, es vor den bösen Winden zu schützen, die es unter die Decke meiner Psyche getrieben hatten, wo es sich über all die Jahre versteckte und überwinterte.“
Erschrocken war sie nicht etwa deshalb, weil sie die Namen der Tiere und Pflanzen nicht wusste. „Man muss, um etwas lieben und schätzen zu können, nicht unbedingt seinen Namen kennen. Erschüttert war ich vielmehr von der Tatsache, dass ich aufgehört hatte, sie überhaupt wahrzunehmen. Und es waren nicht nur die Bäume, die ich nicht mehr wahrnahm.“
Im Gepäck die Bereitschaft, sich vom Beobachteten bezaubern und berühren zu lassen, machte sie sich auf eine Reise, auf der sie ihre Verbindung zur Natur neu entdecken wollte. Und weil sie zu dieser Zeit begann, sich auch für Bienen zu interessieren, wurden diese für die Menschheit so unentbehrlichen Bestäuber ihre ganz persönlichen Reisebegleiterinnen. Wer jetzt an Imker, Bienenstöcke und Honigproduktion denkt, ist auf dem Holzweg. Von den mindestens 20.000 verschiedenen Bienenarten gehören nur neun zu den uns geläufigen Honigbienen. Doch deren Massensterben Anfang des Jahrhunderts war der Auslöser für Strawbridge Howards Reise ins Herz der Natur. Die kommerzialisierten Bestäubungsmethoden mit ihrer industriell bewirtschafteten Bienenhaltung entsetzten die Autorin. So benötigen allein die kalifornischen Mandelplantagen jährlich 88 Milliarden Bienen, die zur Blütezeit oft aus großer Entfernung auf Tiefladern herangeschafft werden. „Angesichts dieser Verhältnisse alles andere als überrascht, dass die Honigbienen verschwinden und an einer rätselhaften ‚Störung‘ sterben, wunderte ich mich umso mehr, dass überhaupt noch welche überlebten“, schildert die Hobbyforscherin ihre ersten Recherchen.
Zum Weiterlesen: Brigit Strawbridge Howard, “Dancing with Bees”, Löwenzahn Verlag, 22,90 Euro
Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 3/2021
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