Lea Marti zeigt, wie begleitetes Malen dir dabei hilft, die Angst vor Veränderung loszuwerden und dich auf eine Reise zu deinem authentischen Ich nimmt – jenseits aller gesellschaftlichen Doktrinen.
Farbe, ein weißes Blatt Papier und freie Zeit zum Gestalten. „Dies kann mir helfen, meine Alltagsprobleme zu meistern und mich in meiner Persönlichkeit zu stärken?“, fragst du dich vielleicht skeptisch. Auf das Angebot, dich doch einfach mal in den Kreativprozess zu werfen, kommt möglicherweise die Antwort zurück: „Ich kann nicht malen, und kreativ bin ich auch nicht.“ Und schon sind wir mittendrin in den Glaubenssätzen, die dich daran hindern, dein volles Potenzial auszuschöpfen. Glaubenssätze, die du wunderbar über Gestaltungsprozesse auflösen kannst. Denn die kreative Arbeit auf dem Papier ist immer auch eine kreative Arbeit an dir selbst.
Eine Reise „Out-of-the-box“
Jedem Menschen gehen durchschnittlich 65000 Gedanken pro Tag durch den Kopf. 80 Prozent sind genau dieselben, die wir auch schon am Vortag hatten und gerademal 0,1 Prozent davon sind uns bewusst. Dies hat seine Vorteile, denn mit gefestigten Denk- und Verhaltensmustern werden wir bei der Wahrnehmung bestimmter Dinge und bei der Lösung bestimmter Aufgaben schneller und besser fertig. Der Nachteil daran: Negative Glaubenssätze lassen sich nicht einfach so mit einem Schalter ein- oder abschalten. Es braucht dein Zutun. Du brauchst bestimmte Werkzeuge – beispielsweise mit in Farbe getauchte Finger oder einem Pinsel –, mit denen du deine internalisierten Glaubenssätze überschreiben oder neu formulieren kannst. Wie das gehen soll? Indem du dich auf eine kreative Reise „Out-of-the-box“, also jenseits deiner internalisierten Normen und Werte, begibst. Sie erlaubt dir, die Grenze zwischen dem, was du zu denken pflegst und dem, was dir noch nie in den Sinn gekommen ist, zu überschreiten und öffnet dir eine Tür zu deinem authentischen Ich.
Die Angst vor Veränderungen loswerden
Die Reise „aus der Box“ beginnt mit einem weißen Blatt Papier. Das gilt es, mit Farbe zu bedecken. Bei dem Gedanken bekommst du ein mulmiges Gefühl? Ist es etwa deine Angst vor dem Unbekannten, die Angst, Fehler zu machen oder die, nichts Anständiges hinzukriegen? Zugegeben: Jeder Anfang ist schwer. Insbesondere, wenn es sich um etwas so hochemotionales wie das Malen mit Farbe handelt.
Doch wenn du es wagst, diese unsichtbare Grenze zu überschreiten, dann hast du bereits einen großen Schritt Richtung Veränderung gemacht. Denn je mehr weiße Blätter du mit Farbe bemalst, umso kleiner wird das beklemmende Gefühl vor dem ersten Strich. Du erfährst, dass es keine Fehler, sondern nur Alternativen gibt, dass jede schöpferische Tätigkeit ein Resultat hat. Vielleicht beginnst du sogar plötzlich den Zauber des Anfangs, den Zauber des weißen Blattes zu spüren oder ein freudiges Kitzeln, ein Gespanntsein, was wohl heute deine Kreativität zum Vorschein bringen wird. Und auf einmal wirst du den Anfang lieben. Du wirst vielleicht erfahren, wie sich deine Offenheit für neue und unbekannte Situationen in deinen Alltag ausweitet und wie du das Mysterium Leben ganz neu und freudig zu entdecken beginnst.
Die innere Richterin zum Schweigen bringen
„Zu dunkel, zu unförmig, zu groß, zu klein, zu langweilig, zu wild, zu fein …“ Sobald du zu gestalten anfängst, schaltet sich dein Wertesystem ein. Dunkle Bilder widersprechen dem gängigen Glaubenssatz „Ich muss immer glücklich sein.“ Unförmige Figuren lassen das internalisierte Gedankenmuster wie „Nur wenn ich dem Schönheitsideal entspreche, werde ich geliebt“ an die Oberfläche kommen. Dann beginnst du zu übermalen, zu ändern, zu korrigieren, so lange, bis das Bild erneut in dein internalisiertes Wertesystem passt.
Doch halt! Warum nutzt du die Möglichkeit des Gestaltungsprozesses nicht, um deine „innere Richterin“ zum Schweigen zu bringen? Wie wäre es, wenn du während des Kreativprozesses einmal die Rolle eines unbeteiligten Zuschauers einnimmst, der dein Gemälde weder gut noch schlecht findet, es nicht bewertet. Alles ist perfekt, so wie es ist! Du malst, und beobachtest einfach, was entstehen will.
Werde dir deiner Gefühle und Gedanken, die dich dabei begleiten einfach bewusst, aber reagiere nicht darauf. Halte auch mal ein Bild aus, das dir nicht gefällt oder das du nur schwer annehmen kannst und beginne zu erkennen, welcher Glaubenssatz sich hinter deiner Abwehr verbirgt. Vielleicht offenbart dir ein vermeintlich langweiliges Bild dein Denkmuster, das lauten könnte: „Ich muss unterhaltsam sein, um gut anzukommen.“
Bild für Bild gewinnst du so Erkenntnisse über deine Glaubenssätze. Bekämpfe sie nicht, denn damit verschwendest du unnötig Energie. Nehme sie einfach an. Mehr braucht es nicht. Denn ein Bewusstsein für deine Denkmuster bringt bereits Wandlung – auch im Alltag. Je länger du das versuchst, umso mehr wirst du dich jenseits der „Box“, frei von gesellschaftlichen Doktrinen, bewegen. Mal still, mal unterhaltsam, mal melancholisch, mal glücklich, mal stark, mal schwach, mal offen, mal zurückgezogen. Einfach authentisch!
Infos: www.curavida.ch
Den Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 4/2020
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